Eine unfassbare Vorstellung oder? Sex im Hörsaal? – Das kann es doch nicht geben! Oder etwa doch? An der Hochschule Merseburg ist das Alltag. Allerdings nicht der Geschlechtsakt an sich, sondern der wissenschaftliche Aspekt daran. In der kleinen, knapp 40.000 Einwohner-Stadt in Sachsen -Anhalt wird an der HS Merseburg der deutschlandweit einmalige Masterstudiengang “Angewandte Sexualwissenschaft” angeboten. Ankademiker.de zeigt die Inhalte dieses “kuriosen” Teilzeit- Studiengangs, die Zulassungsvoraussetzungen sowie die Zukunftsperspektiven auf.
Beim Thema Sex scheiden sich die Geister. Die einen wollen gar nicht darüber reden, die anderen kennen kaum ein anderes Gesprächsthema. Dabei gibt es nahezu keinen intimeren und individuelleren Bereich des Menschen als die Sexualität. Im Studiengang “Angewandte Sexualwissenschaft” geht es nicht darum, Sexpraktiken zu erlernen, sondern um die Bildung und Beratung im Zusammenhang mit Familienplanung, Partnerschaft und Sexualität. Genaue Kursinhalte aus den einzelnen Semestern sind zum Beispiel Sexualität und Gewalt, Sexualerziehung in der Grundschule und im mittleren Schulalter, moderne Entwicklungen in der Geburtsmedizin sowie Verhütungsverhalten, -methoden und -beratung. Den Abschluss findet dieses Teilzeitstudium nach dem 6. Semester mit der Masterarbeit und Präsentation der selbigen.

"Familienplanung" - ein zentraler Baustein des Masterstudiengangs
Ursprung in der Sozialen Arbeit
Seit 2009 wird “Angewandte Sexualwissenschaft” an der HS Merseburg angeboten. Seinen Ursprung findet dieser Studiengang im Schwerpunkt “Sexualpädagogik” aus dem Studiengang “Soziale Arbeit”. An der Hochschule wurde schnell bemerkt, dass die sexuelle Bildungsarbeit mehr Stoff zur wissenschaftlichen Vertiefung bietet. So kam es dann zum eigenen Studiengang “Angewandte Sexualwisschenschaft”.
Nicht jeder wird genommen – Vorkenntnisse und gute Noten sind nötig
In den drei Jahren, seit es den Master “Angewandte Sexualwissenschaft” gibt, haben sich schon etliche Studenten dafür beworben. Für 160 Interessierte gab es in diesem Wintersemester aber nur 21 Studienplätze. Deshalb musste ordentlich ausgesiebt werden. Um eine Zulassung zu erhalten, müssen die Bewerber einiges mitbringen. ” Man muss einen Bachelor – oder Diplomstudiengang abgeschlossen haben, mit einem sehr guten Schnitt. Also ich denke mal 1,5 müsste der Bewerber schon mitbringen. Außerdem sollte er oder sie schon spezielle und professionelle Erfahrung im sexualpädagogischen Kontext haben”, sagt Sexualwissenschaftler Prof. Dr. Konrad Weller.
Mit diesen Zulassungsvoraussetzungen verfolgt die Hochschule Merseburg ein bestimmtes Ziel. ” Wir wollen damit bereits Berufserfahrene und etwas ältere Menschen für dieses Studium ansprechen”, so Prof. Dr. Konrad Weller.
Vielfältiges Angebot nach dem Studium – Studiengang bleibt in dieser Form erhalten
Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums eröffnen sich den Absolventen zahlreiche Berufsmöglichkeiten. Eines der Berufsfelder ist die Beratungslandschaft, also Schwangerschaftsberatungsstellen, AIDS-Hilfen, Kinderschutzdienste, Gesundheitsämter und noch viele mehr. Daneben gibt es aber auch die Möglichkeit, in der Forschung oder in der Sozialpädagogik zu arbeiten.
Trotz der vielfältigen Möglichkeiten wird der Master “Angewandte Sexualwissenschaft” auch in Zukunft ein außergewöhlicher und seltener Studiengang bleiben. “Wir wollen, dass dieser Studiengang klein und fein bleibt. Es ist schwierig genug, die Bedingungen zu schaffen und sie dauerhaft zu gewährleisten, dass wir die Leute mit hoher Qualität ausbilden können”, sagt Prof. Dr. Konrad Weller abschließend.
Es wird also auch in Zukunft ein Schieben und Drängen um die begehrten 21 Studienplätze geben.